Swizzy, Switchy oder Switzel? Switchel!

Im Gegensatz zu anderen Blogs, deren Titel meistens selbsterklärend war, bedarf es im Falle von „Switchel“ wahrscheinlich einer genaueren Erklärung, worum es sich dabei überhaupt handelt. Das Einfache vorab: Das Internet behandelt das Getränk schlicht als „Limo“ oder „Erfrischungsgetränk“, auch der Begriff „Heumacher-Punsch“ ist im Umlauf. Die unbedingten Bestandteile des Getränks sind Apfelessig und Ingwer. Außerdem besteht das Grundrezept aus Wasser, frischem Zitronensaft und einer naturbelassenen Süße, wie Honig oder Ahornsirup.

Bei dem Gedanken daran, mehrere Milliliter Essig zu trinken, bekomme ich jedes Mal aufs Neue eine leichte Gänsehaut und erhöhten Speichelfluss. Ich weiß nun also, dass meine Körperreaktionen zuverlässig funktionieren, aber wer kommt denn auf so eine Rezeptidee? Auch darauf erhalte ich schnell eine Antwort. Im 17. Jahrhundert suchten nordamerikanische Feldarbeiter nach einer Erfrischung, die ein ähnliches Gefühl in ihrem Hals auslösen sollte wie Alkohol. Der Vorteil gegenüber Letzterem war jedoch schon damals, dass Switchel nicht nur stärkte und erfrischte, sondern auch den Elektrolyte- und Mineralstoffhaushalt der Farmer ausglich. Seitdem hat sich der Trend gehalten – mal verdeckter, mal gehypter.                      Wo wir gerade bei den gesundheitsfördernden Eigenschaften der Limo sind (ich bin nach wie vor verwirrt und begeistert – eine gesunde Limo!), liefere ich auch gleich weitere Argumente hinterher, die für einen regelmäßigen Konsum sprechen.

Essig: Apfelessig hat die förderlichen Eigenschaften, den Blutzuckerspiegel regulieren und sich positiv auf den Säure-Basen-Haushalt auswirken zu können. Er ist reich an Vitamin A, B1, B6, B12, C, E, Kalium, Natrium, Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen Kupfer und Mangan und wirkt paradoxerweise sogar Sodbrennen entgegen, indem er die Übersäuerung des Körpers verhindert. Auf die eine oder andere Empfehlung hin wird Apfelessig auch als Gesichtswasser verwendet, da er antibakterielle Eigenschaften hat, die die Vermehrung von Bakterien stoppen. Das funktioniert auch „von innen“, weswegen die Online-Schlagzeilen zu Switchel nicht selten mit einem schönen Hautbild werben. Außerdem wirkt er beruhigend auf den Magen!

Ingwer: A propos beruhigende Wirkung auf den Magen: Die Wurzel ist schmerzlindernd und entzündungshemmend und oft ein beliebtes natürliches Mittel gegen Übelkeit. Die leichte Schärfe tut nicht nur dem Hals gut, sondern wärmt den gesamten Körper von innen, indem Stoffwechsel und Durchblutung angeregt werden. Hiermit wären wir auch beim nächsten Beauty-Argument, für das Switchel bekannt ist und wärmstens empfohlen wird: der Fettverbrennung. Die Wärme auslösenden Inhaltsstoffe Capsaicin und Gingerol, die in Ingwer enthalten sind, lösen einen Hitzereiz aus, auf den der Körper mit verstärkter Durchblutung und Schwitzen reagiert. Das wiederum verbrennt Kalorien und Fett. Tipp: Die größte Wirkung hat Switchel, wenn er morgens auf nüchternen Magen getrunken wird. Diese Variante ist allerdings wirklich eine Geschmacksfrage und eher in Sachen Pickel- und Aknetherapie von wirklicher Bedeutung.

Zitrone: Die Vitamin-C-Quelle schlechthin ist eine willkommene weitere Unterstützung für unser Immunsystem. Außerdem arbeitet die Frucht auch in Sachen Entzündungshemmung und Verdauung gut mit ihren Mitzutaten zusammen und hat die zusätzliche positive Eigenschaft, Wassereinlagerungen beseitigen zu können. In Kombination mit Ingwer sorgt die Zitrone außerdem für den charakteristisch erfrischenden Geschmack einer Limo, der erstaunlich gut mit Essig harmoniert.

Honig oder Ahornsirup: Es mag eine Unterstellung sein, aber neben Essig und Zitrone sollte es dann doch dringend eine süße Komponente geben, die den Genuss des Getränks unterstützt. Auch Ahornsirup und Honig sind bekanntermaßen entzündungshemmend, Letzterer wird ebenfalls viel für die äußere Anwendung empfohlen (siehe Peelings und Masken mit Honig). Das Wichtigste jedoch: In beiden Fällen handelt es sich – bei der richtigen Bezugsquelle – um Naturprodukte ohne Zusätze.

Was bleibt, sind Neugier und Appetit. Also – wie bereite ich das Trendgetränk nun richtig zu?        Das Basisrezept ist schnell verinnerlicht: Für 6 bis 8 Portionen (die Limo lässt sich einige Tage aufbewahren) werden 1,2 Liter Wasser mit 100 g frischem Ingwer (in Scheiben) 2 Minuten köcheln und anschließend 20 Minuten ziehen gelassen. In einem separaten Gefäß 80 ml milden Apfelessig mit 100 ml frisch gepresstem Zitronensaft und 70 g Honig oder Ahornsirup vermischen, anschließend das Ingwerwasser durch ein Sieb dazugießen. Wie heißt es dann so schön? Fertig! Jetzt folgt der kreative Teil.                                             Switchel kann warm, oder als sommerliche Erfrischung kalt genossen werden. Eiswürfel, Minzblätter, Beeren, Zimt, Vanille – es gibt genug Varianten, um sich mit dem täglichen Getränk zu belohnen. Leckere Rezeptideen gibt es zum Beispiel hier: https://www.myself.de/leben/ernaehrung/rezepte/switchel/                                Doch auch eigene kreative Einfälle sind möglich – erlaubt ist, was geht! Die Limo eignet sich sogar für Gäste. Überraschen Sie sie auf ausgelassenen Grill- oder gemütliche Kaminabenden mit einem Apéritif oder Longdrink, den Sie mit Gin aufpeppen, denn der passt ausgezeichnet zu dem gesunden Schönheitselixier.

Es ist erstaunlich, wie viele banale Komponenten in Kombination miteinander so viel Gutes für mich tun können. Und ich kann nach wie vor auf Nahrungsergänzungsmittel, Zusatzstoffe und Co. verzichten – eine Denkweise, die sich in meinem Umfeld immer mehr durchsetzt. Eine gesunde Lebensweise verlässt seit einigen Jahren glücklicherweise immer mehr die Gefilde des Anstrengenden, Komplizierten und Andersartigen. Sie wird zur nebenbei einbaubaren Selbstverständlichkeit und ist somit in der Lage, uns aus dem Hintergrund für die Strapazen des Alltags zu wappnen. Ein fesselndes Projekt, zu dem ich mich meinem Körper gegenüber gerne herausfordern lasse 🙂

Einen Switchel auf Ihr Wohl!