Saun-aaahhh

Bei meinem kürzlichen Saunabesuch war auf eine Sache wie immer Verlass: Das unvergleichliche Gefühl tiefster Zufriedenheit und Entspannung gepaart mit der einzigartigen Gänsehaut, die man so nur bei einem Aufguss bekommt. Saunieren oder Saunen gilt nicht umsonst als Wellnessbehandlung, die neben der Gesundheit auch die Entspannung fördert und sich vor allem in Deutschland zu einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt hat. Zu spüren sind diese Effekte schon nach einem halben Jahr regelmäßigen Besuchs. Da laut Studien aber ein Drittel der Deutschen noch nie eine Sauna besucht hat, habe ich mich dafür entschieden, Sie auf eine imaginäre Aufgusszeremonie mit all ihren gesundheitlichen Vorteilen mitzunehmen.

Frisch geduscht und abgetrocknet befinde ich mich also in einem mit Holz ausgekleideten Häuschen, in dessen Mitte ein knisternder Ofen steht. Getreu der Regel „Kein Schweiß aufs Holz“ habe ich ein großes Handtuch untergelegt. Der Saunameister öffnet die Türen und wedelt frische Luft in den Innenraum. Diese wird sofort vom Ofen erhitzt und sorgt für die konstant hohen Temperaturen von 40 bis 110 Grad. Ich schließe die Augen. Drei Kellen mit ätherischen Ölen versetzten Wassers treffen auf die heißen Steine des Ofens und verdampfen innerhalb von Sekunden. Als der Saunameister die heiße Luft mit einem übergroßen Fächer in alle Ecken des Raumes befördert, kann ich den lieblichen Duft von Litschi und Orange riechen und sehe die ersten Schweißperlen auf meiner Haut. Die Reinigung meines Körpers beginnt.

Ein Saunagang versetzt unseren Körper in ein künstliches Fieber von bis zu 39 Grad, was eine erhöhte Aktivität der Immunzellen zur Folge hat, die wiederum von großer Bedeutung für unsere Infektabwehr sind – wie bei echtem Fieber auch. Mein Herz muss schneller schlagen, um alle Organe mit Blut zu versorgen, denn durch die Hitze sind die Gefäße geweitet und mein Blutdruck sinkt. Auch Stoffwechsel und Atmung werden angeregt, Letzterer wird sogar regelrecht trainiert, denn in der Sauna können wir tiefer durchatmen als unter normalen Umständen. Diesen Effekt machen sich beispielsweise Asthmatiker oder Personen mit chronischer Bronchitis zunutze. Durch die Wärme entspannen sich die Muskeln, und die Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen werden ordentlich durchblutet, weshalb der eine oder andere Saunagast sich während einer Zeremonie manchmal räuspern muss.

Um mich herum pusten die Menschen, recken und strecken sich und halten ihre Gesichter dem Fächer entgegen. Wir befinden uns inzwischen in der dritten Runde, in der der Saunameister den gesamten Restinhalt auf die heißen Steine gekippt hat und die erhitzte Luft nun energischer und schneller verteilt als in den beiden Runden davor. Die Haut wird auf bis zu 40 Grad erhitzt, der Blutfluss verdoppelt sich. Durch die Aktivierung der Schweißdrüsen wird sehr trockene Haut mit Flüssigkeit versorgt. Gleichzeitig quillt die oberste Hornhautschicht auf und ist somit ganz leicht abspülbar, was bei regelmäßiger Anwendung der Hautalterung, Akne und Neurodermitis entgegenwirken kann.

Nach ca. acht bis zwölf Minuten (hier sollten Sie darauf achten, Ihr Herz nicht zu überfordern) bedankt sich der Saunameister, die Gäste applaudieren und der Großteil verlässt die Sauna – so auch ich. Jetzt beginnt die wichtige Abkühlphase, denn ohne sie bleiben einige gesundheitsfördernde Effekte aus. Der unmittelbare Kälteschock bewirkt, dass sich die geweiteten Blutgefäße abrupt wieder zusammenziehen und der Blutdruck somit wieder steigt. Spätestens die kalte Dusche zum Abschluss fordert meinen Kreislauf noch einmal so richtig heraus, macht mich wach, fit und hinterlässt ein einzigartiges Gefühl der Erfrischung.

In einen Bademantel gehüllt liege ich auf einer XXL-Schaukel, genieße einen kalten Tee (während zwei, drei Saunagängen verliert der Körper bis zu einem Liter Wasser!) und lausche dem Plätschern eines Springbrunnens. Die Entspannungsphase nach dem Saunieren ist deswegen ein wichtiger Bestandteil, da sich der Herzschlag hier wieder verlangsamt und gleichmäßiger und kraftvoller wird. Die Hitze erhöht den Serotoninspiegel im Gehirn, was schlaffördernd wirkt. Der Körper sehnt sich jetzt nach Ruhe und ich komme ins Grübeln. Innerhalb einer Viertelstunde habe ich so viel für meine Gesundheit getan. Saunieren kann Abhilfe bei langfristigen Erkrankungen wie Arthrose oder chronischen Rückenschmerzen schaffen, vor plötzlichem Herztod oder anderen Herzrisiken schützen und verlängert sogar nachweislich die Lebenserwartung. Die Anregung des Kreislaufs hat eine bessere Versorgung der Organe mit Sauerstoff zur Folge, sprechen Sie bei akuten Entzündungen oder Infektionen, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Venenthrombosen, oder Krampfadern allerdings bitte vorab mit Ihrem Arzt – beruhigt genießt es sich noch besser 😊

Ich kann wohl nicht leugnen, dass ich ein großer Sauna-Fan bin. In den vielen Jahren, in denen ich mir diese Auszeit regelmäßig gönne, wurde ich aber auch einfach nie enttäuscht. Die Vorfreude bleibt jedes Mal die gleiche, genau wie die Wehmut, wenn es vorbei ist. Die Gründe, aus denen das eine Drittel der Deutschen noch nie ein finnisches Bad von innen gesehen hat, erstrecken sich von der Hitze über Scham bis hin zu Langeweile. Ihnen gegenüber stehen jedoch mehr als Fünfmillionen begeisterte Wiederholungstäter, denen Sie ruhig Glauben schenken dürfen 😊 Gerade im Kontext der Textilfreiheit und der subjektiven Empfindung extremer Hitze ist es jedoch auch wichtig, auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören.

Vielleicht konnte ich Sie neugierig machen… Auf Ihr Wohl!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.