Sodbrennen: nur ein unbedenkliches Symptom?

In den vergangenen Blogs ist es schon mehrfach um „eine beruhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt“ gegangen. Es gibt viele Maßnahmen, wie man seinem Körper im Allgemeinen, vor allem aber auch seinem Zentrum, etwas Gutes tun kann. Denn nicht nur Liebe geht durch den Magen, auch viele andere Gemütszustände machen sich als erstes in unserer Bauchgegend bemerkbar. So weit, so normal. Was aber, wenn das ungute, gar schmerzhafte Gefühl in der Brust zum Dauerbegleiter wird und beginnt, die eigene Lebensqualität deutlich einzuschränken?

Ungefähr 20 % der Deutschen leiden unter der Volkskrankheit Sodbrennen. Was viele aufgrund der alltäglichen Verwendung des Wortes „Sodbrennen“ nicht wissen, ist dass es lediglich eine Folge bzw. Beschwerde ist, die von einem anderen körperlichen Defekt herrührt: Reflux. Das ist schlicht und einfach der – nicht vorgesehene – Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Diese ist nämlich durch ein „Ventil“ vom Magen getrennt, sodass eben dieser Rückfluss normalerweise verhindert wird. Leider gibt es diverse Situationen, die den reibungslosen Ablauf des Verdauungsvorgangs stören. So oder so – Mageninhalt hat in der Speiseröhre (und aufwärts) nichts zu suchen und führt verständlicherweise zu Beschwerden und Spätfolgen, mit denen nicht zu spaßen ist. Die gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass Hilfe auch fernab von Säureblockern, Protonenpumpenhelfern & Co. naht und eine refluxgerechte Lebensweise deutliche dauerhafte Erfolge erzielen kann. Wie in den meisten Fällen fängt das Umdenken vor allem im Alltag an, es gibt aber auch die Möglichkeit, seinem Körper anhand der Ernährung auf die Beine zu helfen. Diese Woche habe ich also leicht umsetzbare Kniffe für Sie zusammengestellt, mit deren Hilfe Sie Ihrem Sodbrennen schon bald von Weitem zuwinken können.

Was die Ernährung betrifft, merken Sie sich am besten drei Regeln: Keine Säure, nichts Blähendes und nichts Fettiges. Auch unabhängig von Sodbrennen wird Ihnen diese Ernährungsweise gut tun. Torten, Pommes und andere Leckereien fallen zwar leider in diese Kategorie, aber bei Obst, Gemüse und magerem Fleisch darf wiederum nach Herzenslust zugeschlagen werden. Hier eine kleine Auflistung der größten Fehltritte, die Sie bei einem empfindlichen Magen machen können:

Meiden Sie (zumindest in akuten Phasen, am besten aber langfristig)…

Nikotin, Kaffee und heiße Schokolade

Alkohol

Kohlensäure

grobes Vollkorn

fettige und frittierte Lebensmittel

Süßigkeiten / konzentrierten Zucker

Gebratenes und Gegrilltes

Fertiggerichte

starke Gewürze, auch Knoblauch und Zwiebeln

sehr säurehaltiges Obst (wozu auch Ananas und Himbeeren zählen)

schwer verdauliches Gemüse (wie Hülsenfrüchte, Lauchzwiebeln, Tomaten oder Paprika)

Sahne und Vollmilchprodukte

Klingt nach einer ganz schön langweiligen und gemeinen Diät? Betrachtet man diese Umstellung weniger als Strafe und bedenkt, wie viele Negativfolgen die aggressive Magensäure auf Organe und Psyche hat, wird dieses langfristige Umdenken schnell zur Selbstverständlichkeit werden. Sie müssen nicht auf einen Schlag alles weglassen. Das eigene Ernährungsbewusstsein ist nicht zu unterschätzen. Hat man früher noch gedankenlos zur Chipstüte gegriffen und sich anschließend mit vollem Magen für ein Schläfchen hingelegt, überlegt man auf lange Sicht schnell zweimal, ob es der milde Früchtetee am Morgen anstelle von Kaffee nicht auch tut, oder ob dieser hastig verschlungene Donut jetzt wirklich nötig ist. Neben der Ernährung gibt es dann außerdem Tipps und Tricks, deren Nichteinhaltung Sie, weil einfach unterschätzt oder nicht bedacht, zusätzlich mit dem Brennen in der Brust piesackt:

Erhöhen Sie das Kopfteil Ihres Bettes um ca. 8 cm.

Versuchen Sie, vier Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr zu essen und sich auch tagsüber mindestens zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme nicht in die Waagerechte zu begeben.

Tragen Sie keine zu eng anliegende Kleidung (Corsagen, Hosenbund, Gürtel u. v. m.).

Vermeiden Sie starkes Übergewicht und Stress, so gut es Ihnen möglich ist.

Versuchen Sie, über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen, anstatt nur selten, aber dann viel zu essen.

Verständlicherweise beschäftigt Sie nun vielleicht die Frage: Was darf ich denn dann überhaupt? Da bleibt schon noch eine Menge übrig und die Gegebenheit, mal über den Tellerrand hinaus schauen zu müssen, kann auch sehr erfinderisch machen. Essen und trinken Sie sich zum Beispiel gerne satt an…

gerbstoffarmen Tees (Kamille, Fenchel, Kümmel, Anis u. v. m.)

mildem Obst wie Äpfeln, Birnen, Melonen, Bananen und Pfirsichen

fettarmem Fleisch (gekocht, wie Hühnchen, Truthahn oder Fisch)

Süßigkeiten mit weniger als 3 g Fett (in Maßen)

Mandeln (sehr basisch)

Nahrungsmitteln mit hohem Kaliumanteil (siehe auch Apfelessig, wie in unserem Getränketipp „Switchel“, Moringa oder Spirulina)

Es gibt Menschen, die mit Sodbrennen leben können und denen auch nach ärztlicher Untersuchung bestätigt wird, dass sie nichts weiter unternehmen müssen, solange sie die Symptome nicht übermäßig stören. Genau so vielseitig sind aber auch die Auslöser, die andere wiederum zu einer Veränderung zwingen: säurebedingte Heiserkeit, Stimmbandzysten, Schlafstörungen durch den aufsteigenden Mageninhalt, fehlgedeutete Atemnot durch das Brennen in der Brust… Der körperliche Grund ist letztendlich so individuell wie der seelische Wunsch nach Wohlbefinden auch. Überraschen Sie sich einfach mal selbst mit einer kleinen Veränderung in Ihrem Leben! Oft ist der Weg das Ziel und eröffnet Ihnen Erkenntnisse, die Sie noch viel breiter gefächert anwenden können, als es ursprünglich geplant war.

Auf Ihr Wohl!