Lieber Körper, was brauchst du? (Erkenntnismoment, Teil 1)

Sie fragen sich vielleicht schon seit einiger Zeit: Was ist das eigentlich mit diesem Healthy Food? Hatten Sie auch den Eindruck, dass der Hype plötzlich da und dann überall war? Ich empfinde Ernährung manchmal ein bisschen wie Mode: Sobald sich das, was gerade erschienen ist, einigermaßen etabliert hat und von der Masse praktiziert wird, wird längst schon wieder an der nächsten „Kollektion“ gebastelt. Müssen wir denn wirklich in regelmäßigen Abständen wieder etwas Neues in unseren Speiseplan integrieren?

Ich finde, das kommt auf den Betrachtungswinkel an. Wer nur oberflächlich von außen beobachtet, welche Neuheiten wieder auf dem Markt erscheinen und was diese alles können sollen, der mag wohlmöglich den Überblick verlieren. Es geht aber bei Weitem nicht darum, eine Liste an Nährstoffen abzuarbeiten, die man täglich zu sich nehmen muss und somit Tag für Tag abhakt. Superfoods, als die auch wir unsere Produkte liebevoll bezeichnen, sind ein schier unendliches Angebot, anhand dessen wir unserem Körper zwischen Job, Familie, Freunden und Selbstverwirklichung etwas zurückgeben können.

Ich kam neulich nicht umhin, an meinen allerersten Blogeintrag zu denken. Als ich zum ersten Mal mit dem Thema Superfoods konfrontiert wurde, war auch ich ja zunächst genervt. Machen wir uns nichts vor – die Menschen sind Neuem gegenüber nun einmal von Natur aus skeptisch und auch bequem eingestellt. Wenn sich etwas etabliert hat und sich demzufolge über Jahrtausende herumspricht, warum sollten wir dann etwas ändern? Eine Umstellung bedeutet Aufwand, Mühe. Aber gewisse Dinge – und zwar vor allem die, die wir als sinnvoll einstufen – gehen so schnell in Fleisch und Blut über, dass man manchmal gar nicht mehr weiß, wie man eigentlich vorher so (unvernünftig) gelebt hat – zum Beispiel, indem Sie irgendwann ganz selbstverständlich zum Wasser anstatt zur Cola greifen, ohne dass Sie etwas vermissen würden. Funktioniert auch bei Kaffee!

Wieder zurück zur Modebranche: Jeder kann sich hier die Kleidungsstücke herauspicken, die ihm gefallen. Die Natur wird zur metaphorischen Shopping Mall, die alles gibt, um uns zu zeigen was möglich ist. Und grundsätzlich ist es doch durchaus positiv, dass es irgendwo Menschen gibt, die dafür sorgen, dass uns nicht langweilig wird (sowohl bezüglich der Kleidung, als auch bezüglich der Ernährung). Ich habe schon mehrfach erwähnt, dass es kein Superfood gibt, das alles kann. Doch auch hier gilt: steter Tropfen höhlt den Stein. Und jeder kleine Nährstoff ist besser als gar kein Nährstoff.

Das zweite Stichwort, weswegen es sich durchaus lohnt in sich zu gehen, ist Vorsorge. Hier denke ich als erstes an Versicherungen. Sind Sie der Risiko- oder der Sicherheitstyp? Finden Sie, man sollte lieber rechtzeitig an die Zukunft denken, oder genießen Sie lieber ausgiebig das Jetzt? Ich zum Beispiel habe mich durchaus immer für einen Genießer gehalten. Ich lebe nicht rücksichts- und gedankenlos in jeden Tag hinein, aber immer nur Vernunft walten lassen? Das hält doch auch niemand aus. Neulich saß ich dann nach einer routinemäßigen Blutentnahme bei der Ergebnisbesprechung und habe mich dabei ertappt, wie ich doch ein klein wenig nervös wurde. Innerlich war ich auf einmal auf die Nachricht gefasst, dass man meine Zucker- und Cholesterinwerte im Auge behalten müsse. Doch zu dieser Nachricht kam es nicht. Na klar, das bedeutet jetzt weder, dass ich überhaupt nicht auf meine Ernährung achten muss, noch, dass die eine oder andere Ausnahme wirklich wer weiß was anrichten würde.

Und doch: So eine Organismus-Lebenszeit ist begrenzt. Dass bisher dreißig, vielleicht vierzig Jahre lang alles gut gegangen ist, unser Körper uns eine Menge hat durchgehen lassen und wir uns im Großen und Ganzen fühlen wie immer, bedeutet nicht, dass unser Lebensstil keine Spuren hinterlässt – positiv wie negativ. Ich habe vermehrt den Eindruck, dass Bewegung immer mehr zum ausgefallenen Hobby einer Randgesellschaft wird. Der (arbeitende) Großteil der Bevölkerung schiebt Sport gerne mit mannigfaltigen Ausreden vor sich her – manchmal ein Leben lang. Bei dem einen geht das gut, bei dem anderen rächt sich das. Die nächste Mangelware im Kontrast zur Bewegung sind qualitative Ruhephasen. Für Schlaf fehlt die Zeit. Wer auf Pausen besteht, wird kurzerhand ersetzt. Auch hier gilt: Der Körper spielt da zwar mit – zumindest nach außen hin. Aber es kommt der Tag, an dem irgendetwas auf einmal anders oder gar nicht mehr funktioniert. Der erste routinierte Gang führt zum Arzt. Und der mag auf einmal die Information haben, dass es sich um einen irreparablen Verschleiß handelt. In diesem Moment wird die imaginäre Gedankenblase über dem Kopf aufploppen und der Betroffene sich fragen, was er wann hätte anders machen können.

Unter all der Andersmacherei ist Ernährung dann doch eigentlich der einfachste Faktor, meinen Sie nicht? Wenn man es richtig angeht, ist das Ganze auch noch mit Genuss oder einem Hobby verbunden. Ich sehe ein, dass nicht unbedingt jeder das Interesse daran teilt, einen Chaga-Pilz genussvoll aufzukochen. Aber auch, wenn Sie zu den Eiligen gehören, für die die Nahrungsaufnahme ein Mittel zum Zweck ist, können Sie „nebenbei“ so vieles besser und richtig machen, denn die meisten Umstellungen sind so unbemerkt integrierbar, dass Sie gar keine Gegenargumente mehr finden werden 😉

Wir lesen uns hierzu nächste Woche wieder – bis dahin auf Ihr Wohl!

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