Tagsüber fit und nachts entspannt mit Vitalpilzen

Ich habe den Eindruck, mit dem September hat es auf einmal einen Temperatursturz gegeben, der augenblicklich an Husten, Schnupfen und Erkältungskrankheiten erinnert. Und auch unabhängig von meinem subjektiven Empfinden rücken die Herbst- und Wintermonate, die uns gesundheitlich zusätzlich herausfordern, unerbittlich heran. Startet das Immunsystem geschwächt in diesen Jahresabschnitt, haben die klassischen Infektionskrankheiten leichtes Spiel. Und auch Stress, Alkohol und schlechte Ernährung stellen unsere körpereigene Abwehr zusätzlich auf eine harte Probe. Darüber hinaus kann das Immunsystem überempfindlich sein. Auch diese Körperfunktion hat zur Folge, dass es uns nicht gut geht. Vitalpilze können die körpereigene Abwehr effektiv stärken, Krankheiten vorbeugen und den Körper in gewissen Zusammenhängen sogar heilen. Gleichzeitig sind sie aber auch in der Lage, ein überaktives Immunsystem zu „bremsen“ und wieder eine geregelte Funktionalität herzustellen.

Grundsätzlich sind die Reaktionen beim Thema Pilze sehr unterschiedlich: Den einen läuft das Wasser im Mund zusammen, andere lehnen den Verzehr schon beim Gedanken daran dankend ab. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Speisepilzen, die in diesen Fällen meistens gemeint sind, geht es in diesem Artikel aber um Vitalpilze, die sich durch ihre besonders gesundheitsfördernden Eigenschaften auszeichnen. Bei dieser Erkenntnis handelt es sich keinesfalls um neues Trendwissen, auch wenn die therapeutische Einnahme der Naturprodukte von einigen Kritikern als Boom verschrien wird. Der Verzehr von Vitalpilzen, die synonymisch auch Heil- oder Medizinalpilze genannt werden, war schon für die Könige und Kaiser Chinas, Japans und Koreas vor Tausenden von Jahren unabdingbar. Die traditionelle Medizin (wie zum Beispiel Ayurveda) kombiniert verschiedene Pilze schon lange als Heilmittel miteinander, denn jede Pilzart hat ihren eigenen bestimmten Wirkungsschwerpunkt, mit dem sie wiederum eine andere Pilzart bedenkenlos ergänzen kann. Experten betonen, dass es hier weder zu Wechselwirkungen noch zu der Aufhebung gewisser Wirkungsspektren durch andere kommen kann. Seit den 60er Jahren wird die Mykotherapie auch in der westlichen Forschung zunehmend wissenschaftlich untersucht. Inzwischen sind Heilpilze durchaus in der Praxis angekommen und werden bei den verschiedensten Erkrankungen (ergänzend zu anderen Therapiemethoden) eingesetzt.

Vitalpilze sind in ihrer nährstofftechnischen Ausstattung unwahrscheinlich breit aufgestellt und somit vollwertige Nahrungsmittel. Sie enthalten Magnesium, Eiweiß, Ballaststoffe, Kohlenhydrate, gesunde Fette, die Vitamine A, B, C, D, E und K sowie Polysaccharide. Letztere sind so genannte „Vielfachzucker“, die eine vergleichsweise lange Verdauungszeit haben und den Organismus somit kontinuierlich mit Energie versorgen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Blutzuckerschwankungen und folglich auch seltener zu Heißhunger. Die Nährstoffbeschaffenheit von Heilpilzen hängt stark von ihrer Wachstumsphase und ihrer Verarbeitung ab. Im Idealfall bekommen sie mindestens einen strengen Frost ab und werden auch während kalter Jahreszeiten geerntet. Wärme während der Wachstumsphase hat nämlich Nährstoffverluste zur Folge. Werden die Pilze anschließend getrocknet und gemahlen, werden ihre guten Eigenschaften besonders gut konserviert. Heilpilzprodukte sind kalorien- und fettarm, gluten- und laktosefrei und gelten als sehr gut verträglich. Manche Vitalpilze sind gleichzeitig auch als Speisepilze geeignet und können wie Gemüse verarbeitet werden. Zudem ist es sehr beliebt, Tee aus ihnen zuzubereiten, indem man einen Sud herstellt. Dieser hält sich im Kühlschrank zwei bis drei Tage. Der Großteil der Pilze aus dem Heilspektrum ist jedoch nicht für den Verzehr geeignet. Der Chaga ist roh beispielsweise steinhart und auch der Reishi erinnert an die Konsistenz einer rohen Kartoffel. Der Rest ist nicht gut verträglich oder schmeckt schlicht und einfach nicht.

Um also trotzdem von der heilenden Wirkung der Naturprodukte profitieren zu können, müssen wir sie in Kapsel- oder Pulverform oder als Extrakt zu uns nehmen. Pulver stellt dabei sozusagen die breite Basisversorgung an Nährstoffen dar. Extrakte ergänzen dieses Spektrum dann durch interessante bioaktive Pflanzeninhaltsstoffe in besonders konzentrierter Form. Sie können Heilpilze kurartig über vier bis acht Wochen anwenden, indem Sie zwei bis drei verschiedene Pilze miteinander kombinieren. In Fällen akuter Erkrankungen mit deutlichen Einschränkungen im Alltag (siehe Borreliose oder Herpes) ist es aber genau so möglich, beispielsweise vier Pilze über ein Quartal in hoher Dosierung einzunehmen, anschließend einen der vier Pilze gegen einen anderen auszutauschen usw. Diese Methode sollten Sie aber immer therapeutisch begleiten und an Ihren individuellen Bedarf anpassen lassen. In Laborexperimenten konnten außerdem unterdrückende Effekte auf das Wachstum von Tumorzellen nachgewiesen werden. Diese werden auf die sekundären Pflanzenstoffe zurückgeführt, die ja für den Schutz vor bestimmten Krebsarten, für Blutdrucksenkung und für Entzündungshemmung bekannt sind. Forscher betonen jedoch, dass hier die Erfahrungswerte für den menschlichen Organismus fehlen. Gleichzeitig ist aber auch bekannt, dass die heilende Wirkung von Heilpilzen auch für Haus- und Nutztiere gilt und vielerorts bereits eingesetzt wird.

Die kompakte Nährstoffdichte von Medizinalpilzen leistet einen wertvollen Beitrag zur Gesamtversorgung des Körpers mit Mikronährstoffen, die viele wichtige Funktionen wie den Stoffwechsel, die Durchblutung oder den Säure-Base-Haushalt beeinflussen. Die in Vitalpilzen enthaltenen Triterpene hemmen sogar die Ausschüttung von Histamin und tragen zur Entgiftung der Leber bei. Dabei haben sie die „adaptogene Wirkung“, die wir schon im Zusammenhang mit Goji-Beeren erwähnt haben, gemeinsam.

Pilze. Optisch und geschmacklich mögen sie polarisieren. Aber ihr Wirkungsspektrum überzeugt uns.

Auf Ihr Wohl!

Leinsamen – ein Traditionsprodukt

Rein optisch erinnere ich mich an Leinsamen noch aus meiner Jugend. Meine Mutter hatte immer eins dieser durchsichtigen Cellophan-Pakete im Vorratsregal stehen. Damals habe ich nicht weiter über die flachen braunen Körner nachgedacht, heute erinnern sie mich allerdings an etwas Vertrautes, Gutes, das schon immer zu unserer Küche gehörte.

„Schon immer“ ist dabei eine gar nicht so weit hergeholte Formulierung, denn die Samen der Flachspflanze sind schon seit Jahrtausenden ein traditionelles Heilmittel aus einer der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Früher wurden die Fasern des Gewächses sogar zu Stoffen verarbeitet, bis sie durch Baumwolle und Synthetikfasern abgelöst wurden. Der Anbau von Leinsamen ist jedoch recht arbeitsintensiv, sodass er sich in Deutschland innerhalb von 135 Jahren auf lediglich 3,3 % reduziert hat. Die genaue Herkunft des „gemeinen Leins“ ist bisher noch unbekannt, aber auch China, Russland und die Ukraine kultivieren Flachs bereits seit langer Zeit.

Worüber ich mir damals auch keine Gedanken gemacht habe ist, was meine Mutter mit den Samen gewollt haben könnte. Heute tippe ich, weil ich sie kenne, auf den unterstützenden Effekt von Leinsamen beim Abnehmen. Die Körner bestehen gleichsam aus fermentierten und nicht fermentierten Fasern. Die nicht fermentierten Fasern binden sehr viel Wasser und quellen somit im Magen zu einem dicken Schleim heran, der für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl sorgt und gleichzeitig Krankheitserreger leichter aus dem Magen-Darm-Trakt abtransportiert. Im selben Zuge nähren die fermentierten Fasern die guten Bakterien im Darm und fördern die Verdauung, indem sie das Volumen des Darminhalts durch die Wasseraufnahme vergrößern.

Leinsamen, deren wirksamste Inhaltsstoffe sich in der Schale befinden, sind in ganzen Körnern, grob geschrotet oder als Mehl erhältlich, welches sich dann gut mit anderen Mehlen mischen und wie gewohnt verarbeiten lässt. Am haltbarsten sind Leinsamen als ganzes Korn. Gemahlen fallen sie dem Oxidationsvorgang zum Opfer, außerdem beginnen die freigesetzten Fettsäuren, sich zu zersetzen, was das Mehl schneller verderblich macht. Einmal „aufgebrochene“ Leinsamen sollten Sie möglichst sofort im Kühlschrank lagern und innerhalb von zwei Tagen aufbrauchen. Ein Effekt, der schon im Zusammenhang mit Chlorella-Algen erwähnt wurde, ist der der besseren Nährstoffaufnahme durch die so genannten „aufgebrochenen Zellwände“. In diesem Fall reicht es sogar, wenn Sie die Körner erst kurz vor dem Verzehr grob mahlen.

Die Zubereitung und die Einnahme von Leinsamen sind bemerkenswert unkompliziert. Durch ihren neutralen Geschmack lassen sie sich nämlich mit allen Lebensmitteln kombinieren, auf die Sie gerade Lust haben. Allerdings enthält das Superfood sowohl Blausäure als auch Cadmium in geringen Mengen, weswegen Sie eine Tagesration von 45 g (andere Quellen nennen 20 g) nicht überschreiten sollten. Die Samen belohnen Sie dann ziemlich zeitnah – nämlich 12 bis 24 Stunden nach der Einnahme – mit einem wahren Kick aus Omega-3-Fettsäuren, den Vitaminen B1, B2, B6 und E, Eiweiß, Kalzium, Kalium, Magnesium, Zink, Mangan, Ballaststoffen und Antioxidantien. In seltenen Fällen tritt die Wirkung erst nach bis zu drei Tagen ein. Aber da Leinsamen ohnehin für den langfristigen Konsum gedacht und gemacht sind, erübrigt sich diese im Endeffekt ohnehin sehr kurze Wartezeit dann auch direkt wieder.

Die Samen der Heilpflanze bestehen übrigens fast zur Hälfte aus Fett. Leinöl kommt dabei vereinzelt sogar als schnell härtendes technisches Öl zum Einsatz oder wird als Grundstoff in der Malerei eingesetzt. Für den kulinarischen Bereich gilt: Schmeckt Leinöl bereits bitter oder riecht es ranzig, dann ist es nicht mehr ganz frisch und sollte möglichst kurzfristig aufgebraucht werden.

An Leinsamen überzeugen mich persönlich außerdem vier weitere Eigenschaften. Zum einen sind sie, wie bereits angedeutet, ein super Hausmittel und die optimale erste Anlaufstelle bei Magen-Darm-Erkrankungen. Sie ermöglichen einerseits schnelle Abhilfe bei Verstopfung & Co. (immer mindestens 1,5 Liter Wasser dazu trinken!) und stellen andererseits eine kurartige Maßnahme zum Schutz der Magenschleimhaut und -gesundheit dar. Ferner weisen erste Studien sogar auf vorbeugende Effekte der in Leinsamen enthaltenen Lingane gegen Prostata-, Dickdarm- und Brustkrebs hin. Aber auch und gerade im Alltag bewähren sich die braunen Körner in meinen Augen sehr. Neben der super einfachen Anwendung bei Reizdarm (zwei- bis dreimal täglich 1 EL Leinsamen mit 250 ml Wasser einnehmen) können die Pflanzensamen auch äußerlich als Umschlag angewandt werden. Für einen Leinsamenumschlag werden zwei bis drei Esslöffel auf ein Baumwolltuch oder eine Baumwollsocke gefüllt, mit heißem Wasser übergossen und ca. 15 Minuten quellen gelassen. Anschließend wird der Umschlag auf die betroffene Stelle gelegt und bei Bedarf fixiert. Achten Sie hier lediglich darauf, das Produkt nicht in direkten Kontakt mit offenen Wunden zu bringen.

Aufgrund ihrer gut erforschten Inhaltsstoffe gelten Leinsamen berechtigter Weise als sehr gesund. Der Proteingehalt der Körner ist mit einem Viertel sogar höher als der eines Hühnerbrustfilets. Hat Mama also schon damals mal wieder den richtigen Riecher gehabt? Oder ist sie einfach aus stetig gewachsener Überzeugung ihrer guten Erfahrung mit einem Lebensmittel gefolgt, das ihr in vielerlei Hinsicht gut getan hat? Sicher ist: Gutes setzt sich durch. Und peppt die gesunde, bewusste Küche mit einem regionalen Naturprodukt auf.

Auf Ihr Wohl!