Burnout: Wenn es irgendwann einfach reicht

Für die meisten ist der große Jahresurlaub so langsam endgültig „verbraucht“. Der Großteil der Arbeitnehmer begibt sich zur Jahresmitte auf seine wohlverdiente Auszeit. Neulich habe ich mich mit einer Arbeitskollegin unterhalten. Jedes Jahr, wenn es um die Urlaubsplanung geht, zählt für sie das gleiche Argument: „Ich bin jung, Teilzeitkraft und habe keine Kinder. Ich nehme meinen Urlaub wenn meine Kollegen ‚fertig’ sind, denn mir ist egal, wann ich wegfahre.“ So kommt es, dass sie Jahr für Jahr gute neun Monate durchgehender Beanspruchung unterliegt – von kleinen Feier- und Brückentagen abgesehen.

Deutschen Arbeitnehmern stehen laut Gesetz bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens 20 Urlaubstage zu. Während dieser Zeit sind sie verpflichtet sich zu erholen. Und das ist auch gut so. Eine weitere Volksweisheit besagt, dass der Erholungseffekt erst nach mindestens 14 Tagen eintrete.

Der Anlass zu meinen Gedankengängen war, dass besagte Arbeitskollegin zum ersten Mal an ihre Grenzen gekommen ist. Sie habe sich gefühlt, als würde sie unterschwellig dafür bestraft werden bald drei Wochen weg zu sein: der Schreibtisch habe an ihrem letzten Arbeitstag leer zu werden, herzliche Verabschiedungen blieben aus und die Nörgeleien und letzten To-Dos gingen bis zur letzten Sekunde im Rekordtempo im E-Mail-Fach ein. „Ich habe nur noch hohl auf den Bildschirm gestarrt und abgearbeitet, abgearbeitet, abgearbeitet, bis es endlich aufgehört hat und ich lange nach Feierabend in meinen Urlaub starten konnte“, beschwerte sie sich. Die Vorfreude auf die Reise, die ja irgendwie dazugehört, blieb auf diese Weise natürlich erst einmal aus.

Abwärtsspirale der Überarbeitung

Distanzierter Dienst nach Vorschrift, Frustration, Flüchtigkeitsfehler, Apathie – die Liste der Anzeichen für ein Burnout ist unendlich. Und vor allem individuell. Der Begriff hat sich von einem Neuling über eine belächelte Ausrede hin zu einer Beleidigung entwickelt. Gerade Arbeitgeber reagieren allergisch auf die Diagnose und sind ihren Mitarbeitern oft böse, wenn der unvermeidliche Krankenschein letztendlich eintrudelt. Auch die Generation 1960+ scheint noch immer der Überzeugung zu folgen, dass die Psyche Humbug sei. Was ich nicht sehen kann, das gibt es auch nicht. Wie kommt es aber ausgerechnet zu diesem Endstadium des Ausgebranntseins? Kann man da nicht vorher einschreiten?

Man könnte schon, aber wie so oft spielen dabei immer beide Seiten eine Rolle. Die eine Seite denkt, dass ihr Gegenüber offenbar noch Arbeit verpacken kann, da es sich ja nicht beschwert. Die andere Seite mutet sich wiederum zu viel zu oder hat sogar Angst ihre Überforderung kundzutun. Es entsteht ein Teufelskreis aus Schweigen und gleichzeitig steigendem Arbeitspensum. Erst wenn wirklich gar nichts mehr geht und der Betroffene entweder nur noch oder überhaupt nicht mehr schläft und sich Magen, Darm, Kreislauf oder der Tinnitus melden, erfolgt der verzweifelte Gang zum Arzt.

„Warum kommst du nicht zur Arbeit?“

„Ich kann mich nicht bewegen.“

„Spinn nicht rum.“

Nahezu jeder Betroffene hat sich schon einmal mit Unglauben oder Ablehnung konfrontiert gefühlt. Dabei definiert sich ein Burnout tatsächlich als Verlust körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, bei dem die Energie sich zu erholen nicht mehr aus eigener Kraft generiert werden kann.

Rechtzeitig Abhilfe schaffen

Vorab eine Sache: Sowohl die Ursachen als auch die Symptome eines Burnouts sind sehr individuell und bei erfolgter Diagnose ist professionelle Hilfe unverzichtbar!

Zusätzlich können Sie jedoch darauf achten, dass Sie sich erst gar nicht in eine solche Situation bringen lassen. Auch wenn es im ersten Moment schwer fällt Nein zu sagen (denn Perfektionisten, chronische Helfer oder Idealisten sind häufige Risikogruppen) werden Sie den Unterschied merken.

  • Bestehen Sie auf Ihre Freizeit, schätzen und zelebrieren Sie sie.
  • Gewöhnen Sie sich an mit Listen zu arbeiten. Was aus dem Kopf ist, kann auch nicht vergessen werden.
  • Lernen Sie zu delegieren und bitten Sie vertrauenswürdige Kollegen einfach mal um Hilfe.
  • Sagen Sie Nein. Das gilt übrigens auch für den Freundeskreis, wenn es Ihnen hier einmal zu viel wird. Ihre Bezugspersonen werden dafür Verständnis haben.
  • Bauen Sie regelmäßig kurze Arbeitspausen ein, dehnen und strecken Sie sich, stehen Sie kurz auf.
  • Lassen Sie auch einfach mal Langeweile zu.
  • Keine geschäftlichen Telefonate oder Textnachrichten nach Feierabend.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und gönnen Sie sich kulinarische Belohnungen.
  • Ersetzen Sie – wenn nötig – chemische Präparate durch Naturarznei.

Auch im Blog von Curly Superfood gibt es rückblickend einige Artikel bzw. Themen, die in engem Zusammenhang mit einem Burnout stehen können. So existiert beispielsweise zwischen Heißhunger, Sodbrennen und Digital Detox durchaus ein Zusammenhang mit Stress. Was sie sich in diesen Fällen jeweils Gutes tun können, haben wir in den entsprechenden Artikeln für Sie zusammengetragen.

Der eine erträgt mehr, der andere braucht schneller seine Ruhe. Auch das Alter und die Arbeitsplatzbedingungen sind hier einflussreiche Faktoren. Klar ist jedoch, dass Missbehagen keiner Diskussion unterliegen sollte und wir gerade in Zeiten der permanenten Erreichbarkeit, der 6- bis 7-Tage-Woche und 10-Stunden-Arbeitstage dringend regelmäßig innehalten müssen. Akkordarbeit ist zwar möglich, aber keinesfalls ein Dauerzustand.

Andere Länder schaffen das erfolgreich auch 🙂

Auf Ihr Wohl!