Immunsystem, ich möchte Danke sagen

Wir haben über Vitamine geschrieben, über ausgewogene Ernährung, über Nährstoffe im Einzelnen, wir haben die Risiken und Vorteile von Sonnenlicht abgewogen und unsere Vielfalt an Superfoods vorgestellt. Wir haben das Wort Immunsystem unzählige Male selbstverständlich verwendet. Es ist, wie über einen alten Bekannten zu sprechen. Aber heute wollen wir ihm einmal auf den Zahn fühlen!

Wenn ich zu Beginn einer Recherche schon lese, dass es sich um das komplexeste System im menschlichen Körper (neben dem Nervensystem) handelt, dann beeindruckt mich so ein Tatbestand sofort übermäßig. Ich denke gerne darüber nach, was unser Körper „heimlich“ so alles leistet, während wir diese Abläufe einfach voraussetzen – und manchmal mit Füßen treten. Das Immunsystem ist in der Theorie vollendet, es ist das perfekt durchdachte Zusammenspiel aus Zellen, Gewebe und so genannten Signalstoffen.

Das unspezifische Immunsystem

Fangen wir gemäß „Es war einmal das Leben“ ganz am Anfang an. Neugeborene kommen mit einem ganz besonderen Geschenk zur Welt: dem angeborenen oder auch unspezifischen Immunsystem. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht vollständig ausgebildet, kann den kleinen Menschen aber schon vor einigen gefährlichen Erregern der neuen Welt schützen. Das unspezifische Immunsystem ist sozusagen die äußerliche Barriere für die Erste Hilfe. „Äußerlich“ ist dabei wörtlich zu verstehen, denn der natürliche Schutzwall setzt sich aus unserer Haut (inklusive Schleimhäuten), der Tränenflüssigkeit, Urin, Magensäure und Speichel zusammen. All diese Stationen können schädliche Eindringlinge normalerweise direkt beim Schopf packen und von uns fernhalten – durch Fortspülen, Zersetzen, Auffangen. Das unspezifische Immunsystem sorgt dafür, dass den alltäglichen Erregern sofort der Garaus gemacht wird. Was außerdem hierzu gehört sind die weißen Blutkörperchen in unserer Blut- und Lymphbahn sowie so genannte Fresszellen, die im Knochenmark gebildet werden.

Das spezifische Immunsystem

Dringen die Erreger jedoch weiter in unseren Körper vor, beginnt ein ausgeklügelter Abwehrkampf und das spezifische Immunsystem kommt zum Einsatz. Dieses wird sofort aktiviert, wenn unser unspezifisches Immunsystem überfordert ist und hat seine Hauptaufgabe speziell in der Bekämpfung bekannter Erreger. Bekannt bedeutet, dass unsere Zellen schon einmal Kontakt mit den Schädlingen hatten und sich an sie erinnern können. Dieser Memory-Effekt der Immunzellen bildet sich erst während des Erwachsenwerdens aus, weswegen wir manche Infektionskrankheiten nur einmal in unserem Leben bekommen. Das spezifische Immunsystem wird bestimmt durch B- und T-Lymphozyten, ebenfalls weiße Blutkörperchen und Antikörpern zur Kommunikation zwischen den Abwehrzellen im Kampf gegen den Erreger.

Wissenswertes

Neben der Sondierung von gut und fremd und der Ausschaltung von Schädlingen (ohne dabei jedoch den guten Bakterien zu schaden) ist das Immunsystem aber auch für unsere Wundheilung, die Abwehr von Tumoren und die Kontrolle unserer körpereigenen Mikroorganismen verantwortlich. Diese befinden sich vor allem in unserem Darm, sodass es nicht verwunderlich ist, dass zwischen dem Verdauungsorgan und unserer körpereigenen Abwehrfunktion ein enger Zusammenhang besteht. Im Darm befindet sich nämlich der Großteil unserer Abwehrzellen. Aus diesem Grund ist es gut und wichtig, beispielsweise nach einer längeren Antibiotikaeinnahme eine Pro- und Präbiotikakur zu machen, um der Darmflora schnell wieder auf die Beine zu helfen und sich nicht gleich den nächsten Infekt anzulachen.

Dass Stress und Kälte einen negativen Einfluss auf unser Abwehrsystem haben, ist übrigens kein Mythos. Bei Kälte verengen sich unsere Gefäße, sodass die Abwehrzellen nicht mehr ungehindert in jede Ecke unseres Körpers dringen können. Außerdem kommt es durch kalte Temperaturen zum Wasserentzug, sodass auch unsere Schleimhautfunktionen beeinträchtigt werden und an der Position des unspezifischen Immunsystems nicht mehr zuverlässig arbeiten können.

Es gibt aber natürlich auch gute Nachrichten, denn Sie können Ihrer körpereigenen Abwehr regelmäßig etwas Gutes tun und sie unterstützen. Allem voran, das wird Sie nicht überraschen, steht eine ausgewogene Ernährung. Speziell die Vitamine A, C, D und E sowie ausreichend Nährstoffe sind der reinste Treibstoff für eine funktionierende Abwehr. Achten Sie außerdem einerseits auf genügend Bewegung, andererseits aber auch auf ausreichend qualitativen Schlaf.

Ich habe dieses Jahr das Gefühl, wir hätten den milden, goldenen Herbst irgendwie übersprungen. Von jetzt auf gleich war es plötzlich grau und man kann förmlich  fühlen, wie die nasse Kälte versucht, sich in jede Körperöffnung zu zwängen. Schieben Sie rechtzeitig einen Riegel vor die Erkältungs- und Viruswelle. Mein einfacher Tipp: die Fünfer-Regel. Zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse jeden Tag – fühlt sich an wie eine tägliche Challenge, die es abzuhaken gilt und funktioniert auch noch. Sie werden sehen, dass Sie mit jedem Mal, das Sie einer Medikamentenkur entkommen, stärker und widerstandsfähiger werden. So kann der Winter doch ruhig kommen! Es wäre schließlich viel zu schade, zwei von vier tollen Jahreszeiten immer nur angeschlagen im Bett zu verbringen 🙂

Passen Sie auf sich auf!