Fakten-Check: Tee

Die Arbeitskollegin des Bekannten eines Cousins eines Freundes… na ja, ist auf jeden Fall schwanger. Sie war immer ein Kaffee-Fan, wenn nicht sogar -Junkie. Aber abgesehen davon, dass man auf Kaffee während der Schwangerschaft lieber verzichtet (oder den Konsum zumindest einschränkt), mochte sie das koffeinhaltige Heißgetränk plötzlich auch nicht mehr. Ebenfalls keine Seltenheit, aber da sie kaltes, schlichtes Wasser am frühen Morgen nicht runterkriegt und auch nicht der Saft-Typ ist, musste eine schnelle Alternative her. Von jetzt auf gleich wurde sie zum Tee-Fan und trumpfte mit einem erstaunlichen Wissen über den wärmenden Durstlöscher auf, der den Ruf hat, heilen, trösten und schön machen zu können.

Ich habe mir das eine oder andere Detail gemerkt, selbst recherchiert und gefunden, dass das auch etwas für Sie sein könnte 😉

Giftig und gesund zugleich?

Bei vielen Familien kommt neben Kaffee ganz selbstverständlich auch Tee auf den Frühstückstisch. Es gibt allerdings Menschen, für die Tee hartnäckig mit Krankheit und Unwohlsein behaftet ist und auch nur in solchen Situationen von ihnen eingenommen wird. Schließlich helfen verschiedene Kräuter gegen ebenso verschiedene Leiden.

Unabhängig von der Heilwirkung ist Tee eines der bestkontrollierten Lebensmittel in Deutschland und die in Frage kommenden Blätter werden inzwischen sogar maschinell geprüft. Trotz der strengen Kontrollen entdecken Verbraucherschützer bei Kontrollen jedoch immer wieder Rückstände von Pestiziden und krebserregenden Schadstoffen. Letztere sind jedoch nicht wasserlöslich und spielen, zumindest für Genuss-Tees, keine ausschlaggebende Rolle. Viele vermeintlich gefährliche Schadstoffe aus Genuss-Tees fungieren in Heil-Tees sogar wiederum als effektive Wirkstoffe, sodass das, was im einen Produkt verteufelt wird, im anderen hingegen durchaus erwünscht ist.

Wer Tees als Heilmittel einsetzen will, sollte daher einen Apotheker um Rat bitten. Kamille beispielsweise beruhigt, hilft bei Entzündungen und löst Krämpfe. Aber auch in Kräutertees findet man vereinzelt Schadstoffe, wie Pyrolizidinalkaloide (kurz PA), die von Pflanzen wie dem Jakobskreuzkraut selbst produziert werden, um Fressfeinde abzuwehren. Die meisten Kräuter, egal ob für losen oder Beuteltee, wachsen auf Feldern. Eine einzige PA-haltige Pflanze auf der benachbarten Wiese reicht da schon aus, um eine ganze Kräutertee-Ernte zu verunreinigen. PA sind leber- und nierenschädigend und stellen Industrie und Verbraucher heute vor ein großes Problem. 42 Mirkogramm pro Tag seien laut des Bundesinstituts für Risikobewertung jedoch unbedenklich für den Körper. Da sie wasserlöslich sind, gehen sie nämlich in den Tee über. Nicht nur Schwangeren sondern auch Kindern (und jedem anderen Konsumenten auch) ist daher gut geraten, ihre Tees regelmäßig zu wechseln.

Genug der Schwarz(tee)malerei

Tee ist unendlich vielfältig. Vor allem Kräutermischungen kennen nahezu kein Limit an Kombinationsmöglichkeiten. Thymian, Fenchel und Spitzwegerich wirken schleimlösend, Lindenblüten mildern Erkältungsbeschwerden und Fieber. Ein Detail, das nicht jedem bekannt ist: Tee gilt nur als „Tee“, wenn er aus der Tee-Pflanze hergestellt wurde. Pfefferminz“tee“ beispielsweise gilt unter Kennern lediglich als Aufguss mit Pfefferminze, die an sich keine Tee-Pflanze ist. Streng genommen gibt es nur weißen, grünen, schwarzen und Oolong-Tee (allesamt koffeinhaltig!), die aus der camellia sinensis hergestellt und in diversen Variationen und Aromen angeboten werden. Zwar gibt es, ähnlich wie bei Weinreben, unterschiedliche Basis-Hybridpflanzen, die je nach Kreuzung verschiedene Geschmäcker ausbilden können, jedoch stammt jeder echte Tee immer von der camellia sinensis ab. Wetter und Bodenbeschaffenheit spielen beim Geschmack eine sehr bedeutende Rolle.

Ob nun grün, weiß oder schwarz, hängt nicht vom Pflanzenteil ab, das verarbeitet wird, sondern von den Verarbeitungsschritten: wie wird der Tee gepflückt, wie getrocknet, wird er gerollt und oxidiert? Der Unterschied zwischen schwarzem und grünem Tee kommt dabei zum Beispiel so zustande, dass der grüne Tee gar nicht und der schwarze Tee wiederum voll oxidiert wurde. Das ist auch der Grund dafür, warum schwarzer Tee so dunkel aussieht. Tee kann Kaffee in puncto Koffeingehalt je nach Sorte übrigens toppen! Das hängt vom Alter der Blätter, nicht jedoch von der Teesorte ab. Junge Blätter enthalten wesentlich mehr Koffein als nachgewachsene Blätter vom unteren Teil der Pflanze.

Wussten Sie das?

Um mal wieder in die Genießersprache zurückzukehren, in der Tee = Tee ist, kommen hier abschließend noch einige Besserwisser-Fakten, die Spaß machen 🙂

Ungeöffnet hält sich Tee drei Jahre lang. Einmal angebrochen sollte man ihn innerhalb von zehn Wochen aufbrauchen. Dabei immer schön trocken und kühl in einer fest zugerollten Tüte lagern, denn Tee nimmt schnell fremde Gerüche und Aromen an.

Tee ist nach Wasser das am häufigsten konsumierte Getränk der Welt.

Paradox: Je länger Sie Ihren Tee ziehen lassen, desto weniger Koffein enthält er.

Weiches Wasser eignet sich am besten zur Zubereitung von Tee. Bildet sich der berühmte Film bzw. die Teehaut auf der Oberfläche, ist das Wasser sehr kalkhaltig.

Die Standardweise, wie wir Tee zubereiten, nennt sich „englisch“. Früher wurden die frisch gepflückten Blätter einfach in warmes Wasser gegeben.

Die berühmtesten Tee-Bezeichnungen werden von ihren Anbaugebieten abgeleitet. Assam kommt aus Indien, Ceylon aus Sri Lanka und Darjeeling aus Indien.

Es ist Freitag, das Wochenende steht vor der Tür. Draußen ist es grau und nieselt. Ja, ich spüre es einmal wieder am eigenen Leib: ein Tee ist jetzt genau das, was ich brauche 🙂

Auf Ihr Wohl!