Jahreswechsel, Schweinehunde & Co.

Elf Tage vor Ende des Jahres wollte ich mal über etwas Typisches schreiben. Dabei kam mir zwar so einiges in den Sinn, das in engem Zusammenhang mit dem Winter oder den Festtagen steht, aber sowohl zum Immunsystem als auch zu Magenproblemen existieren schon diverse Gedankenspiele und daraus entstandene Artikel. Ihnen also noch einmal zu erzählen, wie Sie sich jetzt winterfit machen oder vor dem Fresskoma schützen können, kam mir irgendwie doppelt gemoppelt vor. Also habe ich einen Schritt weiter gedacht – an nach Weihnachten und nach dem Jahreswechsel. Was nämlich schätzungsweise 95 % der Menschen jetzt miteinander teilen, sind gute Vorsätze. Pläne, Vorhaben, weltverändernde Innovationen. Ausdenken geht schnell, aber dann wird es 2020 schlagen. Und der erste Tag des neuen Jahres zieht so ins Land. Auf einmal ist eine Woche um – man hat ja noch Urlaub. Spätestens Mitte / Ende Januar darf man es dann aber doch laut aussprechen: Lieber Schweinehund, frohes neues Jahr auch!

Mein größter Gegner: ich selbst

Am einen Abend gehen wir noch mit der wirklich festen Überzeugung ins Bett: „Morgen stehe ich um sechs Uhr auf und gehe joggen!“. Doch öffnen wir wenige Stunden später die Augen, tun wir es doch nicht. So einfach ist das. Welchen guten Vorsatz der Einzelne für sich festlegt, ist völlig individuell. Dem einen geht es um die Gesundheit, dem anderen um sein Sozialleben. Der Dritte wiederum legt seinen Fokus auf die Karriere. Es ist eigentlich immer das gleiche. Aber was ist der innere Schweinehund und gibt es Wege und Möglichkeiten, die Kontrolle über ihn zu gewinnen?

Der innere Schweinehund lässt sich als der kleine Teufel auf jemandes Schulter umschreiben. Er ist die Stimme unserer Zweifel, unserer Faulheit, unserer Abneigung, vielleicht die Stimme der Angst vor Veränderung. Der Schweinehund weiß, was er uns denken lassen muss, damit wir uns für den Moment bestätigt fühlen. Von „Morgen ist auch noch ein Tag“ über „Das Leben ist noch lang genug“ bis „Ach, ein allerletztes Mal und dann nie wieder“ ist alles dabei.

Ein Sprichwort besagt sogar: je intelligenter eine Person, desto raffinierter sind auch ihre Ausreden. Recherchiert man zum Thema, stößt man unter anderem auf einen so genannten Schweinehund-Dreisatz. Dieser besteht aus Schritten, die jeder von uns kennt und unweigerlich schon einmal erfahren musste. Der Dreisatz lautet:

  1. einmal ausfallen lassen
  2. langfristig schleifen lassen
  3. ganz sein lassen

Kennen Sie das? Auf die erste „kleine“ Ausnahme folgt ganz schnell die zweite. Und ehe Sie sich versehen, wissen Sie schon gar nicht mehr, was das eigentlich war, das Sie da regelmäßig machen wollten…

Stärke beweisen

Wem die Begriffe Disziplin oder Motivation zu wettkampf- oder pädagogikbelastet sind, der kann sich einfach sagen: Ich möchte es mir selbst beweisen. Ich bin noch Herr über meine Gedanken und meinen Körper. Aus diesem Grund ist der erste Ratschlag, den inneren Schweinehund zu besiegen, nahezu dreist einfach: Lassen Sie in der Anfangsphase keine Ausnahmen zu! Das gelingt Ihnen besser, wenn Ihre Ziele nicht zu utopisch formuliert sind. Jeden Tag eintausend Situps sind beispielsweise eine Aufgabe, die nun mal nur sehr schwer durchzuhalten ist. Außerdem schränkt Sie der Zusatz jeden Tag enorm ein. Nehmen Sie sich beispielsweise lieber vor, innerhalb einer Woche dreimal Bauchtraining zu machen. So bleiben Sie flexibel und können sich außerdem über abgehakte Aufgaben freuen. Achten Sie darauf, dass die Dinge Ihnen machbar erscheinen.

Die nächste gute Nachricht: die besagte Anfangsphase ist gar nicht mal so lang! Etwa sechs bis acht Wochen braucht der Mensch, um neue Verhaltensweisen (bei täglicher Anwendung) in seinen Tagesablauf zu integrieren. Je seltener, desto länger brauchen Sie natürlich. Aber das oben erwähnte explizite Ausnahmeverbot gilt entsprechend nur für einen begrenzten Zeitraum, bis ein neues Verhalten adaptiert ist. Sie haben es in der Hand!

Der Beginn einer jeden Veränderung ist begleitet von einem Mix aus Selbstüberwindung gepaart mit eher wenig Körperwohlbefinden und den (anfangs) ausbleibenden Endorphinen. Muskelkater, Heißhunger, schlechte Laune – ziemlich ausgeklügelte Gegner. Doch angeblich (und ich bin mir sicher Sie haben diese Erfahrung schon gemacht) kommt anschließend der point of no return. Auf einmal sieht man einen kleinen Erfolg. Oder man denkt nicht mehr über die neue „Pflicht“ nach. Und plötzlich hören Sie einfach nicht mehr damit auf. Lassen Sie den Schweinehund-Angelegenheiten immer den Vortritt! Streichen Sie zur Not anfangs lieber andere Aufgaben und Pläne von der Tagesliste, aber bleiben Sie mit dem neuen Vorhaben am Ball. Erlauben Sie sich klein anzufangen und steigern Sie dann langsam.

Natürlich ist der Jahreswechsel ein perfekt erscheinender Anlass, um mit etwas Revolutionärem zu beginnen. Sich noch einmal die Silvesterparty und das Weihnachtsessen gönnen, noch einmal bis 13 Uhr ausschlafen. Und dann, dann wird auf jeden Fall alles anders! Wichtig ist nicht der geplante Zeitpunkt, zu dem Sie starten. Was zählt, ist das Erfolgserlebnis. Egal ob im Januar, vor dem Sommer oder nach dem nächsten Weihnachtsfest – es ist Ihr Projekt und Sie haben es sich nicht ohne Grund vorgenommen 😉