Feiertage vorbei und schon einen Kater

Wer Hund sagt, muss auch Katze sagen? Na ja, zumindest mit einem Kater können wir heute dienen! Gehen wir einfach mal zuversichtlich davon aus, dass Sie bereits in Angriff genommen haben, Ihren inneren Schweinehund in die Knie zu zwingen. Eine knackige Runde Jogging vor dem Weihnachtsbuffet, ein paar extra Situps nach Raclette, Rouladen & Co. – und schon wenige Stunden später ist er da: der Muskelkater.

Es gibt Menschen wie mich, die im ersten Moment etwas Positives mit dem unerbittlichen Brennen oder Ziehen in den offensichtlich zu wenig beanspruchten Muskelpartien verbinden. Ich stelle mir dann vor, dass die Sportsession so richtig schön gewirkt und da etwas gebracht hat, wo sie auch sollte. Gleichzeitig mahne ich mich innerlich, die besagten Muskelgruppen unbedingt öfter zu beachten und zu trainieren.

Aber bleiben wir bei der Kapitulationsreaktion unseres Körpers, mit der er auf die ungewohnte Beanspruchung antwortet. Es schmerzt, dauert ein paar Tage und die meisten Menschen machen mindestens einmal in ihrem Leben damit Bekanntschaft. Experten behaupten sogar, niemand könne darum herum kommen, einen Muskelkater zu kriegen. Aber warum ist das so und was hilft am schnellsten gegen das gemeine Leid?

Was passiert im Hintergrund?

Übertreibt man es mit der sportlichen Motivation, kommt der fiese Schmerz. Etwa zwölf Stunden nach der körperlichen Betätigung soll er sein Maximum erreichen, was ich subjektiv auch so bestätigen kann. Die Muskeln sind angeschwollen und druckempfindlich oder aber schwach und puddinghaft. Lange Zeit wurde Milchsäure als Grund für Muskelkater bezeichnet. Je höher der Milchsäuregehalt im Blut oder in der Muskulatur, desto größer sei auch die Ausprägung des Muskelkaters – so glaubte man. Heute weiß man es besser.

Unsere Muskeln bestehen aus vielen zylinderförmigen Fasern, die sich wiederum aus Zellen zusammensetzen. Überlasten wir einen Muskel (und das passiert bei Bewegungsmangel schnell), entstehen feine Risse, durch die Wasser in die Fasern eindringt. Folglich dehnt sich der Muskel aus, was wir als den bekannten Schmerz, der dem einer Entzündung gleichkommt, wahrnehmen. Treppensteigen, aus dem Sitzen oder Liegen Aufstehen, Bücken, Gehen, Heben – alles wird plötzlich zur Qual und kostet uns weit mehr Kraft und Zeit, als es normalerweise tun würde. Neben dem kleinen bisschen Stolz darüber, dass wir uns schließlich sportlich verausgabt haben, schwirrt uns jetzt nur ein Gedanke im Kopf herum:

Wie werde ich den Muskelkater schnell wieder los?

Um die entstandenen Verletzungen zu reparieren, muss der Körper im wahrsten Sinne des Wortes seine Reparaturmechanismen anwerfen. Weiterzutrainieren ist laut Spezialisten daher keine gute bzw. sogar eine kontraproduktive Idee, denn durch erneuten Sport unter Schmerzen fördern wir weitere Verletzungen. Wer es trotzdem eilig hat, sollte unbedingt auf ein moderates Trainingstempo achten, ansonsten droht ein Muskelfaserriss.

Als wahres Wundermittel können sich hingegen ein Dampfbad oder ein Saunagang erweisen. Versetzt mit gut duftenden ätherischen Ölen steigert diese Prozedur unser Wohlbefinden, was auch der Muskelentspannung zugute kommt.

Da der Körper von selbst für die richtige Durchblutung und Versorgung der angegriffenen Muskelfasern sorgen kann, sollten entspannende Massagen diese lediglich unterstützend anregen und nicht in die Tiefe der Muskulatur eingreifen.

Über Hausmittel wie Franzbranntwein weiß man heute übrigens, dass sie höchstens subjektive und oberflächliche Linderung bewirken. Für die eigentlichen Verletzungen und Risse tun sie nur sehr wenig bis gar nichts.

Das A und O, um ständigem Muskelkater effektiv vorzubeugen ist – wie soll es auch anders sein – regelmäßiges Training mit moderater Steigerung. Nur durch diesen Memory-Effekt können unsere Muskeln lernen sich zu versorgen und die Energie aufzunehmen, anhand derer sie der Überlastung und somit den Verletzungen entkommen können.

Ein kleiner Bonus, dessen Wirkung aktuell ebenfalls gute Erfolge verzeichnet, ist der Verzehr von Kirschsaft nach dem Training. Eine amerikanische Studie hat ergeben, dass der Fruchtsaft die Muskeln anhand der enthaltenen Antioxidantien und entzündungshemmenden Inhaltsstoffe leistungsfähiger macht und den Schmerz vorsorglich verringert.

Muskelkater ist zwar unangenehm und ärgerlich, aber wie schon anfangs vermutet hat er auch etwas Gutes. Durch ihn nehmen die Muskeln stetig an Kraft zu, außerdem schützt er vor weiteren Katern durch fortlaufende Überanstrengung, denn wer Schmerzen hat, der schaltet zunächst einen Gang zurück. Das fördert die Genesung. Verzagen Sie also nicht, wenn Ihr Körper Ihnen mal wieder zeigt, dass Ihr letztes Training vermutlich schon wieder ein, zwei Tage zu lang her ist. Sehen Sie es als Herausforderung, vor allem aber auch als Bestätigung. Ja, Sie haben etwas getan! Ja, Sie haben etwas bewirkt! Und Sie können sogar fühlen wo. Wer im Vorhinein akzeptiert, dass es anfangs zum, nennen wir ihn Einsteigerschmerz kommen kann, der wird anschließend weniger überrumpelt sein und möglicherweise schon während der Sporteinheit auf seine Grenzen achten – passen Sie nur auf sich auf 🙂 In den meisten Fällen weiß Ihr Körper aber schon, was gut für Sie ist. Das werden Sie fühlen.