Reste-Esser oder Durchstarter?

Haben Sie schon einmal von Self-Handicaping gehört? Nein? Dann aber zumindest den Begriff Prokrastination oder? Bei Letzterem handelt es sich um das Vorschieben und Ausführen von Aufgaben, um zu vermeiden, eine bestimmte Aufgabe angehen zu müssen. Das ist beispielsweise bei einer Studentin der Fall, die lieber urplötzlich die gesamte Einzimmerwohnung aufräumt, anstatt mit dem Lernen für die anstehende Prüfung zu beginnen. Zu Self-Handicaping würde dieses Verhalten in dem Moment werden, in dem sie ihre eventuelle schlechte Note auf die getane Hausarbeit schieben würde, nur um nicht selbst daran schuld zu sein – obwohl sie es ist.

Wie haben Sie Ihren Neujahrstag verbracht? Haben Sie sich einen Ausruhtag gegönnt und genüsslich „ein letztes Mal“ die Berliner-, Raclette- und Softdrinkreste verspeist? Oder gehören Sie zur Fraktion Jetzt wird alles anders und ziehen eisern Ihren Neujahrsspaziergang nach einem besonders gesunden Frühstück durch? So oder so – inzwischen schreiben wir den 3. Januar 2020 und für Prokrastination und Self-Handicaping ist endgültig kein Platz mehr. Lassen Sie uns übers Fasten philosophieren!

Klar, wir könnten auch noch auf die am weitesten verbreitete Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern warten, aber damit würden wir genau das oben angeschnittene Problem unterstützen 😉 Nach insgesamt großen Mengen an fettreichem Essen, Alkohol und dem einen oder anderen Mitternachtssnack sehnt sich unser Körper jetzt nämlich mit allen Fasern Reinigung, Nahrhaftigkeit und Ernährungs- sowie Verdauungsroutine zurück. Aber warum?

Die heilenden Effekte des Fastens

Während einer Fastenphase stellt sich der Stoffwechsel unseres Körpers um. Die Verdauung wird angeregt und leitet einen Entgiftungs- und Entschlackungsprozess ein, der nach der ersten Überwindung mit Leichtigkeit, Euphorie und innerer Zufriedenheit belohnt wird. Schon nach wenigen Tagen wird Ihnen auffallen, dass Sie nicht mehr unter Magenbeschwerden, Verstopfung & Co. leiden.

Darüber hinaus wird Ihr Körper (nachdem er zunächst auf seine Glukose- und Eiweißreserven zurückgegriffen hat) durchs Fasten Ihre Fettdepots verbrennen. Durch die eingestellte Energiezufuhr ist Fett nämlich sozusagen der letzte Energielieferant, den er noch hat. Aus diesem Grund ist das Fasten oft ein guter Einstieg in eine Diät – wobei ich den Begriff Ernährungsumstellung bevorzuge. Fachleute haben zudem herausgefunden, dass vielen Erkrankungen eine Entzündung im Körper zugrunde liegt. Fasten soll präventiv gegen solche chronischen Entzündungen wirken können.

Sie haben morgens oft keinen Appetit? In einem solchen Fall spreche nichts dagegen, das Frühstück ein wenig nach hinten zu verschieben. Essenspausen von ca. 16 Stunden sorgen nämlich nicht nur dafür, dass der Körper sich auf das Rebalancieren und Ausheilen konzentrieren kann sondern seien auch biologisch absolut natürlich für uns.

Wie mache ich es richtig?

Eins sofort vorab: Fasten stellt einen Ausnahmezustand für unseren Körper dar, den er – ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen – vermutlich in diesem Ausmaß nicht kennt. Um eine solche Kur zu beginnen, suchen Sie sich am besten einen Zeitraum aus, in dem Sie die ersten zwei Tage nicht arbeiten müssen. Ermöglichen Sie sich Rückzug und Ruhe, denn anfängliche Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden, Müdigkeit oder Schwindel sind recht wahrscheinlich.

Sie sollten übrigens für sich selbst unterscheiden, ob Sie beispielsweise lediglich auf Süßigkeiten, Alkohol oder Zigaretten verzichten möchten, oder ob Sie das so genannte Heilfasten testen wollen. Das ist nämlich das Fasten im ursprünglichen Sinne und beschränkt sich auf eine tägliche Kalorienzufuhr von nur 250 kcal. Mindestens fünf Fastentage werden in diesem Rahmen empfohlen, in denen ausschließlich getrunken wird: Gemüsebrühe, Wasser und Tee (mit oder ohne etwas Honig) stehen hierbei auf dem „Speiseplan“. Zwar fehlen zugegebenermaßen noch Nachweise über die Auswirkungen des Fastens, aber grundsätzlich sehe auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung keine Gründe dafür, warum ein gesunder Mensch es nicht ausprobieren sollte.

Eine etwas rücksichtsvollere Methode des Fastens kann übrigens die intermittierende 16/8-Regel darstellen. Hierbei entsagen Sie nicht gleich allen Lebensmitteln, sondern beschränken Ihre Nahrungsaufnahme auf acht Stunden am Tag – und 16 Stunden lang essen Sie nichts. Das kann als Eingewöhnung oder als Fastenversion Ihrer Wahl dienen, ganz wie Sie mögen und können.

Übrigens: Heilfasten ist der Oberbegriff für zahlreiche unterschiedliche Programme, wie beispielsweise das Basenfasten, die Buchinger-Fastenkur oder die Franz-Xaver-Mayr-Kur. Beliebt aufgrund der Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist das Saftfasten. Neben Wasser und Tee wird hierbei über den Tag verteilt bis zu ein Liter ungesüßter Frucht- und Gemüsesaft getrunken. Die enthaltenden Nährstoffe sowie der natürliche Fruchtzucker entlasten den Körper beim Fastenprozess und sorgen nebenbei für ein zufriedenstellenderes Sättigungsgefühl und mehr geschmackliche Abwechslung als pures Wasser.

Gegen Fasten- und Kreislaufkrisen hilft übrigens Bewegung. Schon ein strammer Spaziergang an der frischen Luft wird dafür sorgen, dass sich eine gewisse Heiter- und Leichtigkeit einstellen werden, die dafür sorgen, dass Sie sich nicht so schlapp fühlen und besser durchhalten.

Nutzen Sie die Chancen, die Ihnen das neue Jahr symbolisch bietet. Bei meiner Recherche habe ich in dem Selbstversuch eines privaten Autors gelesen, dass er, verglichen mit einem 30 Jahre älteren Ehepaar, das regelmäßig zweimal jährlich fastet, sogar optisch einen deutlichen Unterschied zwischen sich und den Fastenden feststellen konnte – zum Vorteil des Ehepaares, versteht sich 😉

Auf Ihr Wohl!