Bi-yo oder Bi-no?

Haben Sie auch schon einmal vor dem Regal im Supermarkt gestanden und gezögert, ob Sie nun zum Bioprodukt greifen oder doch wieder den alten Gewohnheiten (nicht zuletzt aufgrund der Finanzen) frönen? Für Gegner haben Biolebensmittel ausschließlich die Eigenschaft, massiv überteuert zu sein, dabei mit weniger Quantität aufzutrumpfen und teilweise nicht einmal anders zu schmecken. Trotzdem achtet mittlerweile jeder vierte Deutsche beim Einkaufen auf das Biosiegel. Für mehr als 80 % von ihnen steht dabei das Argument im Vordergrund, sich gesünder ernähren zu wollen. Aber sind Biolebensmittel wirklich gesünder? Auch die Wissenschaft diskutiert hitzig zu diesem Thema. Um diese Frage beantworten zu können, muss Biolandwirtschaft zunächst definiert werden. Ein paar der wichtigsten Merkmale sind:

  • kein Einsatz von chemisch-synthetischen Schädlingsbekämpfungsmitteln (Konventionelle Produkte sind teilweise bis zu 300-fach so stark hiermit belastet. Dennoch halten sie die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte auch ein und sind folglich nicht per se ungesund.)
  • begrenzte und an die Hofgröße angepasste Tierbestände
  • das Futter für die Nutztiere kommt möglichst vom eigenen Hof

In Europa sind Bioprodukte am EU-Biosiegel zu erkennen, das einen Mindestqualitätsstandard kennzeichnet. Inzwischen sind jedoch weitere Siegel mit deutlich strengeren Anforderungen dazugekommen. Vitamintechnisch enthalten Bioprodukte nicht mehr Nährstoffe als die herkömmliche Variante. In Biolebensmitteln sind hingegen nachweislich mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Ob Biokäufer unbedingt länger leben, ist wissenschaftlich nur schwer nachweisbar und korreliert außerdem mit Tatsachen der Art, dass diese meistens insgesamt gesünder leben, nicht rauchen und auch sportlich aktiver sind als Nicht-Biokonsumenten.

Biolebensmittel sind fast doppelt so teuer wie konventionelle Produkte. Viele Supermärkte führen Lebensmittel wie Brot und Fleisch auch gar nicht in Bioqualität, weswegen ein Gang in den Bioladen notwendig wird. Hier wartet oft der eigentliche Preisschock. Die meisten Verbraucher beschränken sich bei Obst, Gemüse, Eiern und Milch auf Bioprodukte und versprechen sich davon, ihren Kindern gegenüber von glücklichen Kühen, Schweinen und ungespritzter Rohkost sprechen zu können. Aber stimmt das wirklich? Welche Ware sollte von Bioqualität sein, welche aber nicht unbedingt?

Bio ist die ganzheitliche Verwertung von Tieren sowie der möglichst vollkommene Verzicht auf Fertigprodukte zur Produktion weiterer Speisen. Auf diese Weise halten Qualität und Preis sich auch die Waage, denn auch in diesem Zusammenhang gilt: die Masse macht’s. Regionales, saisonales Obst und Gemüse tragen ebenfalls zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis bei. Wie kann jedoch der Ottonormalverbraucher von Bioqualität profitieren, ohne über die Maßen draufzuzahlen?

Spezialisten zufolge kann es sich durchaus lohnen, subjektiv nach Lebensmitteln zu unter- und entscheiden, ob man die Bio- oder die herkömmliche Variante wählt. Bei Milch beispielsweise sei bio kein unbedingtes Muss, denn in Deutschland gilt sie als sicher, hat wenig bis keine Pestizidrückstände und lediglich, wer sich Sorgen bezüglich Antibiotika macht, könne sich überlegen, auf die Biovariante umzusteigen. Gleiches gelte für Eier. Experten erklären, dass Freilandeier denselben Dienst leisten wie Bio-Eier. Die einzig existenten Unterschiede betreffen hier die Tierhaltung.

Bei Fleisch hingegen ist die Empfehlung verbreitet, an dieser Stelle nicht zu sparen. Biofleisch enthält im Gegensatz zum herkömmlichen Produkt nämlich keine Antibiotika und auch das Tierwohl sei gewährleistet. Trotzdem wichtig zu wissen: Das Kopfkino über das über die Wiese hüpfende Huhn oder Schwein ist oft auch hier ein Trugschluss. Auch Tiere, deren Fleisch später als bio verkauft wird, können in Massenställen gehalten werden. Wirkliches Premium-Bio mit noch höheren Standards in der Tierhaltung gebe es nur bei Anbauverbänden, die sich diesen Aufwand aber auch entlohnen lassen.

Schmecken lasse sich der Unterschied beim Fleisch aber durchaus! In Vergleichstests mit beliebigen Familien griffen sowohl die Eltern als auch der Nachwuchs unwissentlich lieber zur Biovariante, sie schmecke intensiver und einfach besser. Der Preis hingegen verderbe Familienoberhäuptern oft den Appetit und ihnen fehle die Einsicht, warum sie derart viel Geld für „das gleiche“ Produkt ausgeben sollen. Ab-Hof-Verkäufe oder Erzeugergemeinschaften können hier ein guter Mittelweg sein. Manchmal haben auch Discounter diverse Bioartikel im Angebot und unterstützen somit regionale Bauern beim Absatz.

Bei Obst und Gemüse überwiegt Umfragen zufolge vor allem die Angst vor Pestiziden. Sparen können Sie bei Äpfeln, Möhren, Kartoffeln, Erdbeeren, Spargel und Zwiebeln aus der Region, denn auch hier sind die herkömmlichen Varianten wenig bis gar nicht pestizidbelastet. Konventionell oft stark belastet und deshalb besser in Bioqualität seien Paprika, Trauben, Beeren, Feldsalat und Spinat. In eindeutig gut oder schlecht lassen sich Obst und Gemüse aber trotzdem nicht so richtig einteilen. Aus Untersuchungen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit könne man allenfalls Tendenzen ableiten.

Das Fazit ist also, dass Biolebensmittel – wenn überhaupt – nur unwesentlich gesünder sind als konventionelle. Wenn Sie bei Ihrem Einkauf nicht ausschließlich auf das Biosiegel sondern darauf achten, dass die Produkte aus der Region stammen, dann ist bio aber in jedem Fall besser für die Umwelt – und dieses Argument bedarf keiner Studien und Umfragen mehr. Wer also zum Beispiel bei Milch und Eiern spart, kann sich in der Folge vielleicht Biofleisch leisten. Das gehört pro Woche ohnehin nur mit 300 – 600 g auf den Teller 😉

Sie werden den für Sie richtigen Weg finden! Auf Ihr Wohl!