Kakao – was brauche ich mehr?

Einen Morgen saß ich während des Frühstücks am Computer und überflog einen Artikel über Rohkakao. Gerade diesem, nun wirklich sehr altbekanntem Lebensmittel hatte ich seit Jahren keine explizite Aufmerksamkeit geschenkt, denn man kennt ja die mit erhobenem Zeigefinger vermittelten Ermahnungen: Zartbitterschokolade sei gesünder als Vollmilch- oder weiße Schokolade, in Maßen sei dunkle Schokolade gesund für das Herz und stille auch Heißhungerattacken und, und, und.

Den Wellness- und Gesundheitseffekt von Algen und Weizengras konnte ich inzwischen nicht nur akzeptieren, sondern mich sogar von ihm überzeugen, aber Kakao bzw. Schokolade schien mir einfach zu banal, zu oft behandelt. Falsch gedacht!

Beim Durchscrollen der Internetquellen, die sich mit Superfood beschäftigen, stieß ich auf einen Begriff und ein Foto, die mich beim Kauen innehalten und in meine Müslischüssel blicken ließen: Kakaonibs. Das sind die unregelmäßigen Bruchstücke von rohen Kakaobohnen und der reinste Star unter den Superfoods.

„Ich frühstücke also schon seit Ewigkeiten ein gesundes Superfood?“, fragte ich mich im Stillen, während ich die dunklen Stückchen in meiner Schale schwimmen sah. Zugegeben, die Tafelschokolade, die wir im Supermarkt kaufen und als Süßigkeit snacken können, ist natürlich nicht mit dem biologisch angebauten Rohkakao zu vergleichen, der hier gemeint ist. Aber es ist trotzdem interessant zu wissen, dass gesunde Ernährung so einfach und schmackhaft sein kann und ich meine ohnehin schon existierende Frühstücksgewohnheit einfach nur ein klein wenig anpassen muss.

Die Lobheißungen über Rohkakao überfluten den Leser förmlich: Energiespender, Stimmungsaufheller, Nahrung der Götter! Herzkrankheiten soll er vorbeugen, den Blutdruck senken, den Körper vor Erkältungen und sogar Diabetes schützen? Klingt zu schön um wahr zu sein, Fakt ist jedoch, dass Rohkakao tatsächlich – wie seine Mitstreiter aus dem Bereich Superfoods auch – unfassbar reich an Nähstoffen ist und sein regelmäßiger Verzehr gesundheitsfördernde Auswirkungen hat.

„Schokolade“, denke ich immer noch plakativ, „was soll denn da alles drin sein?“ Gute Nachrichten – sehr viel! Die Bohne liefert Magnesium, Kalzium, Eisen, Antioxidantien, ungesättigte Fettsäuren, Neurotransmitter, die glücklich machen, viele Ballaststoffe und Flavonoide. Was das für mich bedeutet? In erster Linie Glücksgefühle, Entspannung, ein verlangsamter Alterungsprozess. Darüber hinaus aber auch die Unterstützung meines Knochenaufbaus, die Regulation meines Stoffwechsels und meiner Gehirnleistung und die Linderung von Kopfschmerzen. Mein Herz-Kreislauf-System profitiert vom guten Sauerstofftransport im Blut und von der Regulierung meines Cholesterinspiegels (gerade diese Eigenschaft ist so paradox wundervoll, da ich mit Schokolade eher immer das Gegenteil in Verbindung gebracht habe). Und wo ich gerade „paradox“ schreibe: Rohkakao kann das Abnehmen unterstützen. Er steigert nämlich das Sättigungsgefühl, verringert dabei den Appetit und regt auch noch die Verdauung an. Ein Dreifach-Wirkkomplex, den wir den Ballaststoffen und Flavonoiden zu verdanken haben, die außerdem dafür sorgen, dass weniger Stresshormone ausgeschüttet werden. Heißhunger und Frustfressen adé!

Wichtig ist: je roher die Bohne, desto qualitativer das Produkt. Kakaobohnen werden nämlich ungeröstet kaltgepresst, damit die lebenden Enzyme und alle wichtigen Nährstoffe erhalten bleiben. Mit mehr als dreihundert wirksamen Substanzen ist das Superfood eines der komplexesten Lebensmittel auf der Welt. Sein Geschmack ist logischerweise zartbitter und entfaltet sich als heißes Kakaogetränk besonders betörend. Das Pulver oder die Nibs können mit natürlichen Süßungsmitteln oder auch Chili verfeinert werden oder einfach pur als Highlight in Müslis oder Obstsalaten fungieren.

Das nahrhafte Antidepressivum, der gesunde Energiespender, den eigentlich jeder im Haus hat – Kakao als Superfood hat mich überzeugt. Wer ohnehin eine Schwäche für Schokolade hat, wird der Bohne ebenso verfallen sein wie ich, denn im Gegensatz zu vielen Nahrungsmitteln, die euch geschmacklich vielleicht etwas Überwindung abverlangen, ist Kakao der reinste Luxus. Das Gefühl zu haben zu naschen, zu genießen, und gleichzeitig so viel für meinen Körper und meine Seele zu tun – das ist etwas, das ich wahrhaftig „super“ nenne!