Moringa, vielseitig von Wurzel bis Blatt

Der Frühling ist, wenn auch etwas schüchtern, dabei sich durchzusetzen, was ihn gleichzeitig zum unweigerlichen Vorboten des Sommers macht. Neben der Freude und der Lebenslust, die der Sommer für viele Menschen bedeutet, ist aber vor allem auch ein Gedanke jedes Jahr aufs Neue vorherrschend: Oh nein, meine Figur, ich bin noch nicht soweit!

Egal zu welchem Freizügigkeitsgrad man tendiert, dem winterlichen Schneewittchenteint oder dem einen oder anderen Bequemlichkeitsbäuchlein soll es jetzt schleunigst an den Kragen gehen und – unter anderem – zu diesem Zweck gibt es einen so genannten „Wunderbaum“ mit schier „unendlicher Wirkung“ gegen vielfältige Beschwerden oder Beschwerden. Wer verzweifelt unter Zeitdruck steht, neigt bekanntermaßen dazu, Dinge vorschnell zu glauben, weswegen ich Moringa, das Mittel aus der ayurvedischen Heilkunst, einmal genauer unter die Lupe genommen habe.

Moringa Oleifera, der „Baum des Lebens“, dessen Wirksamkeit sich aus Indien inzwischen bis nach Afrika, Südostasien und Arabien herumgesprochen hat, wächst extrem schnell (bis zu acht Meter in sechs Monaten!), ist dabei leicht zu kultivieren – und somit sogar selbst anbaubar – und braucht nur wenig Wasser. Alle seiner Teile sind verwendbar: die Früchte, die Blätter, die Wurzeln und die Samen, nicht zuletzt sogar als Schmieröl oder hochwertiges Biodiesel. Aufgrund der in den Wurzeln befindlichen Senföle und des daher charakteristischen Geruchs wird die Pflanze in unseren Breiten auch „Meerrettichbaum“ genannt. Aber zurück zu Sommerfigur und schöner Haut – was hat Moringa nun damit zu tun?

Das Öl, das man in den Herkunftsländern aus der Pflanze gewinnt, wird Kosmetika oder Arzneimitteln beigemischt und soll hautstraffend und verjüngend wirken. Das Ganze kommt durch die antioxidative und entzündungshemmende Wirkung von Moringa zustande, die der Vorbeugung gegen Krebs, sowie der Zellerneuerung dient. So weit, so gut.      Darüber hinaus enthält die Pflanze aber auch zahlreiche Bitterstoffe, die ebenso in Artischocken, Wein oder Hülsenfrüchten stecken, und die wie eine Essbremse wirken, indem sie ein früheres Sättigungsgefühl auslösen, und die Verdauung und Fettverbrennung anregen. Ein positiver Nebeneffekt, dessen ist das Ausscheiden von Cholesterin, das durch dieses Mehr an Fettsäuren bedingt wird. Gleichzeitig kommt es zur sogenannten Thermogenese (Wärmeerzeugung im Körper), bei der deutlich weniger Kohlenhydrate zur Energiegewinnung benötigt werden. Um den gefürchteten Jojo-Effekt kümmern sich das viele Eiweiß und die Proteine, die die Bestandteile von Moringa enthalten – sie machen satt und unterdrücken den penetranten unspezifischen Appetit, der uns oft den ganzen Tag über begleitet. Zink sorgt mal eben noch für schöne Haut und schöne Nägel, womit wir wieder beim Sommerkörper wären…

Der „Wunderbaum“ kann aber noch mehr: Unabhängig vom Körperkult enthalten seine Bestandteile nämlich enorm viele Nährstoffe in hoher Konzentration, die bei Alltagsleiden wie Kopfschmerzen, Blähungen, Schnittwunden und Entzündungen, aber auch bei hohem Blutdruck, Diabetes Typ II oder Hormonschwankungen helfen können. Moringasamen sind außerdem in der Lage, verunreinigtes Trinkwasser zu filtern, was sich in den Herkunftsländern auch zunutze gemacht wird. Konzentriertes Moringapulver enthält (verhältnismäßig!) siebzehnmal so viel Kalzium wie Kuhmilch, dreimal so viel Kalium wie eine Banane, neunmal so viel Eisen wie Rindfleisch und mehr Vitamin C als Orangen. Der hohe Proteinanteil macht das Pulver zu einer reichhaltigen Eiweißquelle für Veganer.

In den Herkunftsländern werden alle Bestandteile der Pflanze verzehrt. Die Früchte lassen sich wie Gemüse kochen, die Blätter ergeben einen leckeren Tee. In Europa ist Moringa leider ausschließlich in Pulverform (lose oder in Kapseln) erhältlich. Doch auch hier gibt es diverse Möglichkeiten, die empfohlene Tagesmenge von 10 g zu sich zu nehmen. Das Pulver kann Shakes, Smoothies, Pestos, Joghurts oder Dressings beigemischt, oder sogar als pures Gewürz übergestreut werden. Im Internet sind außerdem Ratschläge darüber vertreten, einen Teil der Tagesration erhitzt und den anderen im kalten Zustand zu verzehren.

Der eigenen Gesundheit und der Umwelt zuliebe bitte auch hier auf Bioprodukte achten.

Im Anschluss an die zahlreichen guten Nachrichten, die ich über Moringa finde, muss ich zugeben, dass auch dieser gute Ruf nicht weit hergeholt ist. Sicher, „der Wunderbaum, der 300 Beschwerden heilt“ ist ein wenig plakativ formuliert und man muss sich klar machen, dass es sich auch hierbei nicht um ein Zaubermittel handelt, das schon nach einmaliger Einnahme Leben verändert. Unabhängig davon, dass wir Europäer Moringa lediglich als Pulver beziehen (oder selbst anbauen) können, finde ich es allerdings sehr positiv, dass die Pflanze nahezu komplett verwendbar und so unheimlich vielseitig ist. Egal aus welchem Anlass Sie sich dazu entschließen, den Kreuzblütler einfach mal zu testen – es ist nie zu spät, etwas zu ändern. Die Zeit bis zum Sommer reicht alle Male aus. Zumindest den Temperaturen nach 😉

Auf Ihr Wohl!

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